Gestern wurde meine Anregung zur vollständigen Erstattung der Betriebskosten freier Kita-Träger im Ausschuss für Anregungen und Beschwerden behandelt. Die Mehrheit aus CDU, SPD und FDP folgte dabei der Empfehlung der Verwaltung und lehnte die Anregung ab.
Gegen die Vorlage der Verwaltung stimmten lediglich die Fraktionen Bündnis 90/Die Grünen sowie DIE LINKE/DIE PARTEI. DIE LINKE/DIE PARTEI hatte zusätzlich vorgeschlagen, das Thema zunächst an den Jugendhilfeausschuss zu verweisen – also genau an den Fachausschuss, der sich inhaltlich mit Kinderbetreuung und frühkindlicher Bildung beschäftigt. Auch dieser Weg fand jedoch keine Mehrheit.
Die Verwaltung begründete die Ablehnung vor allem mit der angespannten Haushaltslage der Stadt.
Meine Idee aus der OB-Kandidatur
Die vollständige Finanzierung freier Kita-Träger war bereits eine der „12 Ideen für die ersten 100 Tage“, die ich im Rahmen meiner Oberbürgermeister-Kandidatur vorgestellt habe.
Hinter diesen Ideen stand nie kurzfristiger Populismus, sondern der Anspruch, Probleme frühzeitig und nachhaltig anzugehen.
Genau darin liegt aus meiner Sicht aber das grundlegende Problem der aktuellen Diskussion: Es wird fast ausschließlich kurzfristig gedacht. Wieder einmal orientiert sich Politik an Haushaltsjahren und Wahlperioden – nicht an einem langfristigen Plan für die nächsten 15 oder 20 Jahre.
Gute Kitas kosten Geld – schlechte Politik kostet mehr
Denn gute Kita-Infrastruktur kostet Geld. Schlechte Kita-Infrastruktur kostet am Ende aber deutlich mehr.
In der gesamten Debatte wurde aus meiner Sicht ein entscheidender Punkt völlig ausgeblendet: Wenn freie Träger Aufgaben nicht mehr leisten können oder Angebote wegfallen, muss die Stadt diese Aufgaben selbst übernehmen. Und städtische Strukturen sind häufig teurer als die Arbeit freier Träger.
Eine bessere Finanzierung freier Träger wäre deshalb nicht nur eine Frage der Fairness gewesen, sondern auch wirtschaftlich sinnvoll.
Früh investieren, später sparen
Vor allem aber geht es um etwas viel Größeres: frühkindliche Bildung.
Wir diskutieren in Mönchengladbach Jahr für Jahr über steigende Kosten bei den Hilfen zur Erziehung. Rund 80 Millionen Euro gibt die Stadt mittlerweile jährlich in diesem Bereich aus. Gleichzeitig wissen wir längst, dass gute frühkindliche Förderung und stabile Bildungsstrukturen dazu beitragen können, dass weniger Kinder später in schwierige Unterstützungssysteme geraten.
Wer früh investiert, spart später.
Das ist keine ideologische Debatte, sondern eine gesellschaftliche und finanzielle Realität. Kinder, die früh gefördert werden, starten mit besseren Voraussetzungen in die Schule. Sie brauchen später seltener intensive Unterstützung, haben bessere Bildungs- und Entwicklungschancen und stabilere Lebenswege.
Deshalb ist die Finanzierung von Kitas keine freiwillige Zusatzleistung. Sie ist Teil der kommunalen Infrastruktur – genauso wichtig wie Schulen, Straßen oder Feuerwehr.
Fehlende Kitaplätze kosten ebenfalls Geld
Hinzu kommt ein weiterer Punkt, der in der politischen Diskussion häufig unterschätzt wird: Fehlende Kitaplätze kosten ebenfalls Geld.
Wie viele Menschen stehen dem Arbeitsmarkt aktuell nicht oder nur eingeschränkt zur Verfügung, weil sie keinen Kitaplatz finden oder Betreuung nicht ausreichend abgesichert ist?
Eine starke Kita-Landschaft ist deshalb auch ein wirtschaftspolitischer Faktor.
Vier Monate Bearbeitungszeit werfen Fragen auf
Besonders kritisch sehe ich zudem den zeitlichen Ablauf meines Antrags. Eingereicht habe ich die Anregung bereits am 18.01.2026. Fast vier Monate hat die Verwaltung gebraucht, um die Eingabe zu prüfen und in den Ausschuss zu bringen.
Für mich entsteht der Eindruck, dass dies kein Zufall war.
Denn genau in diesem Ratszug wird auch die neue Elternbeitragssatzung beschlossen. Dadurch lässt sich politisch leichter argumentieren, man könne freie Träger „nicht zusätzlich entlasten“.
Dabei müsste die eigentliche Debatte längst eine andere sein: Kitas sollten grundsätzlich beitragsfrei sein.
Denn auch das wäre am Ende eine Investition in die Zukunft unserer Stadt – wirtschaftlich, sozial und gesellschaftlich.
Man wird wieder von mir hören
Und keine Sorge:
Von den „12 Ideen für die ersten 100 Tage“ sind noch einige übrig.
Man wird also sicherlich wieder von mir hören. 😉
