Ein Tag im Café Pflaster: Hilfe für Menschen ohne Wohnung

von | 29. Aug. 2025 07:27

Ein Ort der Begegnung und Teilhabe

Vergangene Woche habe ich das Café Pflaster besucht – einen Ort, der für viele Menschen in Mönchengladbach weit mehr ist als nur eine Essensausgabe. Hier verbinden sich praktische Hilfe, menschliche Begegnung und soziale Arbeit unter einem Dach.

Schon am Vormittag herrschte reger Betrieb. Die Essensausgabe ist täglich von 8 bis 14 Uhr geöffnet. Zwei Menschen, die dort seit Jahren mitarbeiten, erzählten mir von ihrem Alltag. Finanziert wird das Angebot auch durch Spenden – beispielsweise von Backwerk. Besonders wichtig fand ich den Hinweis: Auch wenn es sich um eine soziale Einrichtung handelt, bezahlen die Gäste für ihre Mahlzeiten. Das sorgt dafür, dass niemand das Gefühl hat, auf Almosen angewiesen zu sein, sondern ganz selbstverständlich teilhaben kann.


Gespräch über Drogenhilfe und Konsumraum

Im gleichen Haus befindet sich auch die Drogenberatung. Dort arbeiten zwei Streetworker direkt mit den Betroffenen. In unserem Gespräch habe ich bewusst das Thema Drogenkonsumraum angesprochen – ein Ansatz, über den in vielen Städten diskutiert wird. Die Streetworker machten deutlich, dass sie ein solches Angebot ausdrücklich befürworten würden. Ein Drogenkonsumraum könne helfen, Konsum sicherer zu gestalten, gesundheitliche Risiken zu senken und den Zugang zu Hilfsangeboten zu erleichtern. Für mich ist das ein wichtiges Signal: Wer täglich an der Basis arbeitet, weiß, welche Unterstützung wirklich gebraucht wird.


Neuer Treffpunkt an der Dahlener Straße

Aktuell hat sich die Szene der Wohnungslosen und Drogenkonsument:innen stark verlagert. Ein neuer Treffpunkt befindet sich an der Dahlener Straße am Bahndamm. Dort arbeiten die Streetworker eng mit dem Housing-First-Projekt zusammen. Ziel ist es, wohnungslosen Menschen Schritt für Schritt wieder eine eigene Wohnung zu ermöglichen – ein Ansatz, der Betroffene dauerhaft stabilisieren soll.


Zentrale Beratungsstelle im Café Pflaster

Im Café Pflaster sitzt auch die zentrale Beratungsstelle für Wohnungslose. Sie wird zur Hälfte vom Landschaftsverband Rheinland (LVR) und zur Hälfte von der Stadt Mönchengladbach finanziert. Dort wird beim Ausfüllen von Anträgen geholfen und bei bürokratischen Fragen unterstützt.

Leider gibt es dabei auch Probleme: Städtische Einrichtungen überweisen immer wieder Menschen dorthin, die eigentlich gar nicht in den Zuständigkeitsbereich dieser Stelle fallen. Gleichzeitig ist die Situation durch die Abschaffung von Barauszahlungen im Jobcenter für Menschen ohne Konto oder Wohnung besonders schwierig.


Projekt „Clean Up“ – Struktur und Teilhabe

Besonders interessant war für mich das Projekt „Clean Up“. Neun Menschen haben hier die Möglichkeit, wöchentlich kleine Arbeiten im Stadtgebiet zu übernehmen – zum Beispiel Sauberkeit in bestimmten Bereichen sicherzustellen. Dafür gibt es 10 Euro pro Woche. Es geht dabei nicht nur um Geld, sondern auch um Struktur, Teilhabe und das Gefühl, gebraucht zu werden. Das Projekt läuft bereits seit neun Jahren und wird von vielen sehr geschätzt.


Kleiderkammer im Café Pflaster

Im Café Pflaster ist außerdem eine Kleiderkammer untergebracht. Montags und mittwochs werden dort gespendete Kleidungsstücke ausgegeben. Ehrenamtliche bereiten die Sachen vor, nachdem die Menschen in der Beratungsstelle ihre Größen angegeben haben. So wird gezielt das Richtige ausgegeben – unkompliziert und menschlich. Zwei Ehrenamtliche, die ich kennenlernen durfte, engagieren sich dort seit Jahren. Ihr Einsatz zeigt, wie viel Herzblut in dieser Arbeit steckt.


Besuch in der Wäscherei der Diakonie

Mein Rundgang endete in der Wäscherei der Diakonie. Dieser inklusive Betrieb beschäftigt rund 200 Mitarbeitende, davon 79 Menschen mit Beeinträchtigungen. Hier wird Wäsche für Krankenhäuser und Altenheime aufbereitet – ein teilweise hochautomatisierter, aber immer noch arbeitsintensiver Prozess. Ich war beeindruckt von der Größe der Anlage und von der Professionalität, mit der hier gearbeitet wird.


Fazit: Unverzichtbare Arbeit für unsere Stadt

Mein Besuch hat mir deutlich gemacht: Einrichtungen wie das Café Pflaster leisten einen unverzichtbaren Beitrag für unsere Stadt. Sie bieten nicht nur Essen oder Kleidung, sondern schaffen Strukturen, geben Halt und eröffnen Perspektiven. Die Gespräche mit den Mitarbeitenden haben mir gezeigt, wo die Herausforderungen liegen – aber auch, welche Chancen wir haben, wenn Politik, Verwaltung und soziale Träger gemeinsam an Lösungen arbeiten.